Einfühlungsvermögen und die hohe Kunst der Guidance: jeden Einzelnen abholen und gleichzeitig den Raum mit zahlreichen Teilnehmenden halten – so dass jede für sich üben kann und alle gemeinsam eine Erfahrung machen. Gerade in der Körperarbeit zeigt sich, wie unterschiedlich Menschen sind!

Yoga: that’s the real people business! 

Multitasking gibt es irgendwie doch! Anleiten, Vorturnen, Hands-on geben, Online-Teilnehmende und Technik im Blick behalten – alles geschieht gleichzeitig!

Kreativ werden! So dass die Haltungen für alle Körper passen und wir uns nicht passend hinbiegen. Die Asanas sind für den Körper da, nicht anders herum. Plus: Für eine Sprachliebhaberin wie mich gibt es im Yoga-Unterricht irre viele Möglichkeiten, sich schöpferisch auszudrücken – inklusive der besten und lustigsten Versprecher sowie seltene Wortkreationen.

Gutes Gedächtnis: war die künstliche Hüfte der Teilnehmerin links oder rechts? Was genau war da nochmals mit seiner Schulter? Und was haben wir eigentlich gerade auf der linken Seite praktiziert? 😉 Auch bei Fragen zur Anatomie, zum Sanskrit und der Yoga-Philosophie ist bei mir Kopfarbeit gefragt. 

Flexibel sein! Ich habe natürlich immer einen Plan für die Klasse im Kopf. Doch der kann und muss manchmal ein Plan bleiben – je nachdem, wie die Stimmung im Raum ist, das Level, die Rückenschmerzen…so wird aus einem Plan auch mal Impro-Yoga. 

Präzise auf den Punkt kommen! Welches Gelenk wie und wo? Was ist hier und jetzt wichtig? Bei knapper Aufmerksamkeitsspanne und begrenzter Kraft ist es wichtig, in aller Kürze zum Wesentlichen zu kommen. Am besten, bevor die Balance, dieses flüchtige Geschöpf, wieder flöten geht. 

Wir sind für Bewegung gebaut

Achtsamkeit mit Adlerblick: Können die Schultern etwas mehr sinken, der Kiefer entspannen? Und das Becken , kann sich das noch mehr aufrichten? Wo ist was zu viel, wo zu wenig? 

Überzeugungskraft: auch mal Unbequemes einzuladen ist eine hohe Kunst. Das persönliche Warum wird bei jedem anders beantwortet. Für alle gilt jedoch: Unser Körper ist für Bewegung gebaut, unsere Wirbelsäule braucht die geschmeidige Kraft, unser Immunsystem die Muskeln und durch die stetigen Wiederholungen legen wir eine neue, gute Spur im Nervensystem. (Die wenigsten von uns haben ein entspanntes!)

Spielerisch Spielraum und Zuversicht geben: einfach mal etwas Neues ausprobieren, schauen, was das mit der Selbstwirksamkeit macht, sich gleichmütig zwischen Freude und Flucht einrichten 🙂 und Yoga als Instrument der Selbstführung und der Transformation wahrnehmen. 

Raus aus den Reiz-Reaktions-Runden im Alltag

Gut regulieren: klarer Kopf, gesammelter Geist. Mit vollem Fokus bei der Sache, beim Unterricht, bei den Menschen sein. Mich selbst mal vergessen, in Frieden lassen. Yoga schafft für mich diesen Raum wie kaum etwas anderes im Leben. 

Die Strahlkraft des Yoga transportieren: Ich freue mich immer über Feedback zur Praxis. Oft kommt: „Ich fühle mich aufrechter, zentrierter, gestärkt, größer, weiter, freier.“ (Öfter auch: 5 Tage Muskelkater! :-)) Die ganzen Verknotungen sind allerdings für die Katz, wenn es nicht über die Matte hinausgeht. Wir verknoten uns auf der Matte, um im Leben Knoten zu lösen. Wenn mir Teilnehmende erzählen, wie sie Atem- und Meditationstechniken in Meetings praktizieren, Haltungen an der Supermarktkasse oder auch in schwierigen Lebenssituationen als tool nutzen; dann geht mir einfach das Herz auf.

Wir üben immer fürs Leben. Indem wir die Instanz stärken, die Wahrnehmung wahrnehmen . Ein kurzes Innehalten, eine wohltuende, öffnende, stärkende Bewegung, eine Selbstreflexion, ein innerer Abstand abseits der üblichen Reiz-Reaktions-Runden im Alltag. Das ist alles andere als trivial, sondern harte Arbeit. Doch nur so kommen wir uns mehr auf die Spur und das hat der Yoga mit jeder ernstzunehmenden Lebensphilosophie gemeinsam: Erkenne Dich selbst. 

Atmen hilft immer, dann klappt’s auch mit der Aufrichtung 

Yoga ist ein Realitätsanker. In Zeiten, in denen digitale und flüchtige Welten zunehmen, ist die Übungspraxis klar und konkret im Körper verankert. Wenn wir unser Rückgrat stärken, unsere Mitte aktivieren, unseren Geist sammeln, uns besinnen und gut atmen – dann können wir noch aufrechter durchs Leben gehen. 

Das Wichtigste zum Schluss: dass ein Raumgefühl geschaffen wird, mit dem sich etwas verwandeln kann, auf Reisen gehen kann, etwas, das Kreise zieht und den Unterschied bei jedem Einzelnen macht.