Schwimmen zwei junge Fische im Meer und treffen einen alten Fisch. Der so: »Morgen! Wie ist das Wasser?« Die zwei jungen Fische schwimmen stumm weiter, bis der eine den anderen fragt: »Was in aller Welt ist Wasser?«

Diese Parabel rund um das Selbstverständliche stammt frei von David Foster Wallace. Sein Buch „This is water – Anstiftung zum Denken“ ist ein kräftiger Appell für mehr Bewusstsein und gegen die Standardeinstellungen mit denen wir so durchs Leben gehen. Sehr lesenswert und in aller Kürze (nur 35 Seiten) wesentlich und wirkungsvoll. 

Wir sind oft wie diese Fische – nur dass unser „Wasser“ die Luft zum Atmen ist. Einfach da, selbstverständlich, nicht in unserem Bewusstsein.

Atmung ist der Kern des Yoga, sozusagen die gut bewegte Seele der ganzen Übung für mehr Bewusstsein. Da wir uns mit dem Kopf keine Ruhe für den Kopf geben können, ist der Atem umso wichtiger: Er kann Ruhe in den Kopf bringen, quasi über die Hintertreppe unseres Nervensystems.

Erste Erkenntnis: Das Universum atmet uns.

Da wir uns mit dem Kopf keine Ruhe für den Kopf geben können, ist der Atem umso wichtiger: Er kann Ruhe in den Kopf bringen, quasi über die Hintertreppe unseres Nervensystems.

Bei der Einatmung wird die Luft durch den atmosphärischen Druck, der uns ständig umgibt, in den Körper gedrückt. Dahin, wo Unterdruck herrscht. Die treibende Kraft liegt also nicht in uns, sondern außerhalb von uns. Wir schaffen den Raum mit unserem Brust- und Bauchraum, und das Universum füllt ihn aus. Die Ausatmung ist der Ausgleich für diese Bewegung. 

Zweite Erkenntnis: Die Luft, die wir atmen ist uralt, rund 13,8 Milliarden Jahre.

Sie besteht aus denselben Molekülen, die unzählige Generationen von Lebewesen zuvor geatmet haben. Atome in unserem Körper vermischen sich mit Spuren des kosmischen Ursprungs mit dem Hauch von Pflanzen, Tieren und Menschen, die einst gelebt haben. Wenn das keine starke Verbindung ist. 

Dritte Erkenntnis: Bewusste Atmung können wir üben und lernen, am besten mit sanfter Bewegung.

Pranayama Übungen, die ich regelmäßig unterrichte: 

  • Purna Pranayama, Yogische Vollatmung: Atem in 3-D: Brustkorb, Flanken, Bauchraum – für mehr Tiefe und Weite
  • Ujjayi Pranayama, siegreiche Atmung: eine Grundtechnik, die den Geist fokussiert, den Atemfluss hörbar macht – Meeresrauschen – und innere Wärme entstehen lässt.
  • Kapalabhati, das Schädelleuchten: eine dynamische Reinigungsübung, die den Geist erfrischt, Energie weckt, die Atemhilfsmuskel trainiert- gute core Übung! 
  • Nadi Shodhana Pranayama– die Wechselatmung: diese Praxis gleicht die beiden Körper- und Gehirnhälften aus, fördert Gelassenheit und emotionale Balance.
  • Bhramari Pranayama, das Bienensummen: eine Technik, die bei Sinnesverschluss und durch summende Vibrationen den Geist beruhigt und das Nervensystem entspannt.

So also ist Wasser. Etwas staunende Bewunderung darf dabei sein.